Verbundtarife von AVV und VRS verschmelzen zum 1. Juni 2026

Mit historischen Beschlüssen haben die Verbandsversammlungen des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) und des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) am 12. Dezember 2025 in einer gemeinsamen Sitzung in Düren den Weg in eine neue Tarifwelt freigemacht. Zum 1. Juni 2026 verschmelzen die Tarifgebiete der beiden Verbünde.

„Für die Fahrgäste wird es ab dem Frühsommer 2026 keinen Unterschied mehr machen, ob sie im Gebiet des AVV oder im Gebiet des VRS unterwegs sind. ÖPNV im Rheinland war nie einfacher. Das ist ein großer Wurf, und wir freuen uns, dass die politischen Gremien heute diese wegweisenden Beschlüsse gefasst haben“, so VRS-Geschäftsführer Michael Vogel.

AVV-Geschäftsführer Hans-Peter Geulen ergänzt: „Einfachheit und Übersichtlichkeit sind die Kernwerte der neuen Tarifwelt. Neben dem Deutschlandticket und eezy.nrw bildet unser neuer Gemeinschaftstarif die dritte Säule.“

So ist der neue Tarif gestaltet

Rund zehn Prozent aller Fahrten in den Gebieten von AVV und VRS werden derzeit mit Einzel- und 24-Stundentickets, dem sogenannten Bartarif, unternommen. Da das Gros der Fahrgäste mittlerweile mit dem Deutschlandticket unterwegs ist, richtet sich die Tarifreform insbesondere an die Gelegenheitsfahrer des Bartarifs.

Die Reform reduziert die Zahl der bisherigen Preisstufen in VRS und AVV von heute 16 auf zunächst vier und später drei. Durch diese Reduktion entfallen mehr als 70 Prozent einzelne Tarifpositionen und machen die Tarifsystematik deutlich einfacher und übersichtlicher. Noch einfacher wird es dann nochmal in zwei Jahren, zum 1. Juni 2028, wenn auch die Kurzstrecke wegfällt.

Volker Otto, Vorsitzender des Unternehmensbeirats VRS:

„Die zweijährige Migrationsphase werden wir nutzen, um den smartphonebasierten Luftlinientarif eezy.nrw weiter zu stärken. Er macht den Zugang zum ÖPNV unkompliziert und spontan und ist bereits heute in vielen Fällen auch preislich die attraktivste Lösung.“

Für Bernd Kolvenbach, langjähriger Vorsitzender der VRS-Verbandsversammlung, war die heutige Sitzung eine ganz besondere: „Kurz vor meinem Ausscheiden aus diesem Amt einen Beschluss von solch erheblicher Tragweite fassen zu können, erfüllt mich mit großem Stolz und mit Dankbarkeit für die in den vergangenen Monaten geleistete Arbeit.“

Erstes VDV-TramTrain-Fahrzeug für die AVG in Karlsruhe angeliefert

Der Fahrzeughersteller Stadler hat das erste VDV-TramTrain-Fahrzeug für die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) in Karlsruhe angeliefert. Nach der Überführung der Bahn aus dem Stadler-Werk in Valencia in die Fächerstadt beginnt das vorgesehene technische Prüf- und Zulassungsprogramm. Die Bahn soll dann voraussichtlich ab Mitte 2026 im regulären Fahrbetrieb eingesetzt werden. Bei der Saarbahn in Saarbrücken wurde bereits am 9. Juni das erste Referenzfahrzeug dieses Kooperationsprojekts angeliefert und wird dort mit einem weiteren gelieferten Fahrzeug für die Zulassung getestet.

Das VDV-TramTrain-Fahrzeug für die AVG ist Teil einer gemeinsamen Beschaffung mehrerer deutscher und österreichischer Verkehrsunternehmen. Das sind neben der AVG und den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) die Saarbahn, die Schiene Oberösterreich, die Schiene Salzburg, die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb sowie die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg. Der Lieferzeitraum erstreckt sich über die Beschaffungskooperation bis 2032. Insgesamt können in den Verträgen bis zu 504 Fahrzeuge in Summe abgerufen werden.

Gemeinsame Beschaffung bringt Kostenvorteil

Die AVG hat über die Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg 75 Fahrzeuge bestellt und hält eine Option auf weitere 73 Fahrzeuge. Für die VBK sind 73 Fahrzeuge bestellt, ergänzt um eine Option auf 52 weitere Bahnen. Das erste Fahrzeug für die VBK wird Frühjahr 2026 erwartet.

„Mit der Ankunft des ersten Fahrzeugs beginnt für uns der Übergang in eine neue Fahrzeuggeneration“, sagt AVG- und VBK-Geschäftsführer Prof. Dr. Alexander Pischon. Die gemeinsame Beschaffung bringe deutliche wirtschaftliche Vorteile und ermögliche einen langfristig stabilen Betrieb des Stadt- und Regionalverkehrs. Die gemeinsame Beschaffung hat deutliche Kostenvorteile. Bis zu einer Million Euro konnten pro Fahrzeug zum Preisstand Januar 2022 eingespart werden.

Ausstattung bietet barrierefreie Einstiege und WLAN

Die neue Fahrzeuggeneration ist zweisystemfähig und kann sowohl im innerstädtischen 750-Volt-Netz als auch auf Eisenbahnstrecken mit 15 kV/16,7 Hz eingesetzt werden. Zur Ausstattung gehören barrierefreie Einstiege, vier Türen pro Seite, zwei Mehrzweckbereiche, moderne Fahrgastinformation, WLAN und eine Universaltoilette. Assistenz- und Kamerasysteme unterstützen das Fahrpersonal, eine Luftfederung sorgt für einen ruhigeren Lauf. Durch die technische Plattform reduziert sich die Variantenvielfalt und die Instandhaltung wird erleichtert.

Der technische Geschäftsführer der AVG und VBK, Christian Höglmeier, betont: „Mit den neuen Fahrzeugen geht die Modernisierung des Karlsruher Modells weiter, um unseren Fahrgästen weiterhin ein attraktives SPNV-Angebot machen zu können. Die neue Baureihe ersetzt zum Teil Fahrzeuge der ersten Generation der Streckeneröffnung nach Bretten und wird gerade im Innenbereich einen neuen Qualitätsstandard setzen. Unsere Werkstattteams werden das Fahrzeug nun im Detail prüfen und für den Linieneinsatz vorbereiten.“

Gesamtprojektleiter Thorsten Erlenkötter von den VBK erläutert die Bedeutung des gemeinsamen Vorgehens: „Die enge und offene Abstimmung mit den Kooperationspartnern und mit Stadler ist für dieses Projekt von zentraler Bedeutung. Mit den gemeinsamen Spezifikationen, den abgestimmten Zulassungsverfahren und der gegenseitigen Unterstützung sind wir weiterhin dabei, ein weltweit einzigartiges Beschaffungsprojekt umzusetzen und aufzuzeigen, dass man in Zusammenarbeit Kosten sparen kann.“

Fahrgasteinsatz ist ab Sommer 2026 geplant

Zum Lieferumfang gehören auch langfristige Instandhaltungsverträge mit vertraglich vereinbarter Ersatzteilversorgung. Im Rahmen dieser Instandhaltungsverträge üben die einzelnen Betreiberwerkstätten die Rolle eines Subunternehmers für Stadler aus, wodurch die Arbeitsplätze gesichert sind. Nach Ankunft in Karlsruhe folgen Strecken-, Brems- und Systemtests sowie Schulungen für Fahrpersonal und Werkstattteams. Der Fahrgasteinsatz ist – vorbehaltlich der Zulassung – ab Sommer 2026 geplant. Weitere Fahrzeuge für AVG und VBK werden ab 2026 sukzessive geliefert. Die vollständige Zuführung der Flotten erfolgt über mehrere Jahre.

Stadtbusverkehr in Speyer startet elektrisch durch

Zum bevorstehenden Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 startet in Speyer eine neue Ära des öffentlichen Nahverkehrs: 29 vollelektrische Stadtbusse der DB Regio Bus Mitte GmbH (DRM) sorgen künftig für einen leiseren, emissionsfreien und zugleich komfortablen Stadtbusverkehr. Ergänzt wird das neue Angebot durch Anpassungen bei Taktung und Linienführung. Ziel ist es, den Stadtbusverkehr effizienter zu gestalten und besser auf die Bedürfnisse der Fahrgäste abzustimmen. 

„In den vergangenen Monaten haben uns viele Rückmeldungen aus der Stadtgesellschaft erreicht, die deutlich gemacht haben, wo wir Taktung und Linienführung verbessern müssen. Diese Hinweise sind für uns unverzichtbar und führen nun zu konkreten Anpassungen, die wir auch künftig weiterentwickeln werden. Mit der vollständigen Umstellung auf E-Busse schaffen wir zugleich die Grundlage für einen dauerhaft leiseren und umweltfreundlicheren Stadtverkehr in Speyer.“

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler

Der Fahrplanwechsel bringt folgende wesentliche Veränderungen für Fahrgäste: 

  • 29 vollelektrische Busse ersetzen Dieselbusse und fahren auf allen Stadtbuslinien
  • 20-Minuten-Takt in weiten Teilen des Stadtgebiets
  • Bessere Übergänge zwischen Stadtbussen und dem Regionalverkehr
  • Umstiegsfreie Verknüpfung der Linien 565 und 566
  • Verlängerung der Linien 562 und 563 im Norden zur Haltestelle Kaserne
  • Neue Fahrtangebote an Sonn- und Feiertagen auf den Linien 566 und 567
  • Erweiterung der Linie 567 zur „Brezel“-Linie mit Anbindung des Gebiets Eselsdamm

 „Erstmalig in Rheinland-Pfalz stellen wir mit dem Linienbündel Speyer einen europaweit ausgeschriebenen Busverkehr auf emissionsfreien Elektroantrieb um. Zusammen mit der Stadt setzen wir damit erneut Maßstäbe für eine nachhaltige Entwicklung der öffentlichen Mobilität im VRN und hoffen, dass dieses Beispiel auch anderen Aufgabenträgern im VRN und im Land Mut macht, die Antriebswende beherzt anzugehen“, erklärt Dr. Michael Winnes, Geschäftsführer der Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH. Einen kompakten Überblick über alle Änderungen und Neuerungen bietet die Broschüre „Bus fahren – eine saubere Sache!“, die in Speyer in den Bürgerbüros sowie in der Tourist-Information erhältlich ist.

35 WBO-Mitgliedsunternehmen für Antriebswende ausgezeichnet

Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen e.V. (WBO) hat am 3. Dezember 2025 im Rahmen seiner 79. Jahrestagung in Leinfelden-Echterdingen 35 Busunternehmen ausgezeichnet, die in Baden-Württemberg als Vorreiter auf dem Weg zur Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs gelten.

Mit der Urkunde für die Antriebstransformation würdigt der Verband das besondere Engagement der Mitgliedsunternehmen bei der Umstellung ihrer Fahrzeugflotten auf batterieelektrische Antriebe und beim Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur.

Die Herausforderungen dieser Transformation sind immens. „E-Busse sind in der Anschaffung gut doppelt so teuer wie herkömmliche Diesel-Busse. Zudem stellen Planung und Bau der erforderlichen Ladeinfrastruktur auf den Betriebshöfen zusätzliche, immense Investitionen dar“, betonte WBO-Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg. „Die Unternehmen gehen das an – dabei ist ihnen wichtig, dass der Flottenbetrieb und das Lademanagement in einer Hand liegen“, ergänzt Hüneburg und führt weiter aus: „Unsere Mitglieder müssen nach Fahrplan eine zuverlässige, pünktliche Personenbeförderungsleistung abliefern – da muss aus einer Hand produziert werden. Das heißt: Die Betriebshöfe müssen aufgerüstet und das Lademanagement implementiert werden – damit der reibungslose Ablauf gewährleitet ist“. Dabei sorgt die Software dafür, dass die Busse optimal, also möglichst günstig, aber ohne Gefährdung der Einsatzmöglichkeit geladen werden. Für die konkrete Umsetzung vor Ort braucht es eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern, Baubehörden und Unternehmen. Ohne eine Investitionskostenförderung über Förderprogramme von Land und Bund bzw. finanzielle Unterstützung vom Aufgabenträger ist die Antriebswende derzeit betriebswirtschaftlich nicht darstellbar.

Trotz dieser Rahmenbedingungen investieren zahlreiche private Busunternehmen entschlossen in moderne, klimafreundliche Antriebstechnologien. Mit der Verleihung der Urkunde unterstreicht der WBO den Mut und die Innovationskraft seiner Mitglieder – und sendet zugleich eine klare Botschaft an Politik und Öffentlichkeit: Die privaten Busunternehmen in Baden-Württemberg übernehmen Verantwortung und leisten ihren Beitrag zu noch mehr Klimaschutz im Verkehr.

Damit diese Investitionsbereitschaft langfristig Bestand hat, braucht es aus Sicht des WBO verlässliche Rahmenbedingungen: ausreichend lange Vertragslaufzeiten, eine unbürokratische Betriebskostenförderung – etwa in Form eines vergünstigten ÖPNV-Strompreises analog zum Industriestrompreis – sowie Technologieoffenheit in der Übergangsphase. Denn auch alternative, emissionsarme Kraftstoffe wie HVO oder Biogas leisten einen wirksamen Beitrag zur CO₂-Reduktion – und das unmittelbar mit dem bestehenden Fahrzeugbestand.

WBO-Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg bringt es auf den Punkt: „Als WBO sind wir stolz, dass sich so viele Mitgliedsunternehmen auf den Weg hin zum klimaneutralen Verkehr machen. Mit günstigem ÖPNV-Strom könnte die Transformation jedoch erheblich bürokratieärmer bewältigt werden – Wünsche für 2026 sind also vorhanden!“.

Infrastruktur-Zukunftsgesetz: Schwung für Schiene nutzen

Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV):

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich der Koalitionsausschuss auf dieses zentrale Infrastruktur-Zukunftsgesetz geeinigt hat und das Verfahren nun mit der Befassung im Bundeskabinett in der kommenden Woche startet – das kann ein echter Beschleuniger für die Planung und Umsetzung dringend benötigter Infrastrukturmaßnahmen sein und stärkt zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gleichwohl sehen wir im vorliegenden Entwurf noch Verbesserungspotenzial für eine konsequente Stärkung der Schiene und werden unsere Vorschläge im weiteren parlamentarischen Verfahren einbringen, damit der jetzt erreichte Schwung 2026 wirklich in zusätzliche Kapazitäten, mehr Elektrifizierung und eine starke Verlagerung von der Straße auf die Schiene mündet. Für die Eisenbahn sind wichtige Schritte enthalten, etwa die vorgesehene Freistellung der Elektrifizierung von Strecken bis 60 Kilometern von aufwendigen Umweltverträglichkeitsprüfungen sowie die weitere Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Projekte spürbar schneller und effizienter machen können. Entscheidend ist nun, dass diese neue Dynamik genutzt wird, um die klimafreundliche Schiene klar gegenüber dem Neu- und Ausbau von Straßen und Lkw-Infrastruktur zu priorisieren, insbesondere beim Kapazitätsausbau im Schienengüterverkehr – denn je mehr Güter wir auf der Schiene transportieren, desto weniger Lkw-Fahrten und Stellplätze werden benötigt. Die nun vorgesehenen Änderungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren blasen erheblich Sand aus dem Getriebe, ohne dass Umwelt- und Naturschutz grundsätzlich infrage gestellt werden – gerade im Eisenbahnbereich finden die meisten Eingriffe ohnehin auf bereits gewidmeten Trassen statt, und ein besserer Bahnverkehr wirkt insgesamt positiv für Mensch und Umwelt.“

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat die Einigung im Koalitionsausschuss als „sehr, sehr gutes Ergebnis“ bezeichnet:

„Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz gelingt es uns nun, marode Brücken, überlastete Schienenwege und sanierungsbedürftige Wasserstraßen schneller zu erneuern und unsere Infrastruktur wieder fit für die Zukunft zu machen. Mir war und ist es wichtig, die Planungs- und Genehmigungsverfahren für die drei Verkehrsträger Schiene, Straße und Wasserstraße gleichermaßen erheblich zu beschleunigen. Wir stärken den klimafreundlichen Schienenverkehr beispielsweise durch die Aufwertung zentraler Schienenprojekte, den genehmigungsfreien Ausbau digitaler Leit- und Sicherungstechnik, mehr Planfreiheit für klimaresiliente Maßnahmen sowie vereinfachte barrierefreie Umbauten an Bahnsteigen. Ich begrüße es sehr, dass die Koalitionsspitzen unserem Maßnahmenpaket zugestimmt haben. Dieses Paket modernisiert das Planungsrecht und hat damit starke Auswirkungen auf Zeit, Geld und Akzeptanz. Bürgerinnen und Bürger können sich beispielsweise auf weniger Stunden im Stau und gesicherte Lieferketten freuen. Auch die Wirtschaft wird davon massiv profitieren. Mit dem jetzigen Beschluss schaffen wir es, mit vorhandenen Mitteln mehr Projekte umzusetzen und Kosten zu reduzieren.“

DUH: Naturschutz bleibt auf der Strecke

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die vom Koalitionsausschuss getroffene Einigung für das sogenannte Infrastruktur-Zukunftsgesetz, mit dem wichtige naturschutzpolitische Standards aufgeweicht würden und die Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingeschränkt werde. Für unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft sollten Ausgleich, Ersatz und Ersatzgeldzahlung für Vorhaben im überragenden öffentlichen Interesse gleichrangig zur Verfügung stehen.

Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer:

„Die faktische Abschaffung der bisher geltenden Realkompensation, mit der bei unvermeidbaren Eingriffen durch Infrastrukturvorhaben neue Naturflächen vor Ort geschaffen werden müssen, ist ein schwerer Rückschlag für den Naturschutz. Einmal zerstörte Natur ist unwiederbringlich verloren, rein finanzielle Kompensation ändert daran gar nichts. Es ist fraglich, ob das für kommendes Jahr angekündigte Naturflächengesetz hier einen Ausgleich schaffen kann. Deswegen müssen Bund und Länder jetzt zügig die EU-Wiederherstellungsverordnung umsetzen und große, zusammenhängende Ökosysteme schaffen, in denen Natur sich wieder erholen kann. Auch die Umweltverträglichkeitsprüfung darf nicht weiter eingeschränkt werden. Gerade bei großen Infrastrukturvorhaben sind eine Berücksichtigung von Umwelt- und Klimaschutzbelangen sowie eine reguläre Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern für die gesellschaftliche Akzeptanz essentiell.”

Jürgen Resch, DUH-Bundesgeschäftsführer:

„Seit Jahren wird durch neue Gesetze versucht, klimaschädliche Autobahn- und andere Straßen-Neubauten mit der Brechstange und gegen europäisches wie internationales Recht durchzusetzen. Tatsächliche Beschleunigungen klimaverträglicher Planungen sind kurzfristig allein dadurch möglich, indem der behördliche Vollzug modernisiert wird, nicht durch die Beseitigung von Beteiligungsrechten.“

Außerdem plane der Koalitionsausschuss, das Umweltverbandsklagerecht einzuschränken. Dazu Jürgen Resch:

„Wenn im Gesetz dasjenige steht, worauf die Koalition sich jetzt geeinigt hat, verstößt dies eklatant gegen ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Denn dieser hat bereits 2015 entschieden, dass der damals im deutschen Recht enthaltene Ausschluss von Einwendungen, die nicht im Verwaltungsverfahren vorgebracht worden sind, rechtswidrig ist. Daraufhin wurden diese Vorschriften im deutschen Recht gestrichen. Wenn man sie jetzt wieder einführen will, verstößt man ganz bewusst gegen diese Entscheidung des EuGH.“

Der Gesetzentwurf kommt am 17. Dezember 2025 in das Bundeskabinett.

Mirko Hrnjak wird neuer Konzernbereichsleiter Verkehr und Mobilität der swa

Die Stadtwerke Augsburg (swa) stellen sich im Bereich ihrer Mobilitätsangebote organisatorisch neu auf. Ab 1. März 2026 wird Mirko Hrnjak in der Stadtwerke Augsburg Verkehrs GmbH die Verkehrssparte der swa als Konzernbereichsleiter Verkehr und Mobilität verantworten. Der 38-Jährige berichtet in der neu geschaffenen Position an swa-Geschäftsführer Rainer Nauerz. Zu seinen Aufgaben zählen, die Mobilitätswende in Augsburg mit Bussen und Straßenbahnen sowie dem weiteren Ausbau und der digitalen Vernetzung von On-Demand- oder Sharing-Angeboten voranzutreiben, attraktive Bezahlsysteme einzuführen und alternative Antriebssysteme wie die Umstellung der Busflotte auf batterieelektrischen Antrieb zu etablieren.

Mirko Hrnjak wechselt von der Stadtwerke Schweinfurt GmbH vom Main zu den swa an den Lech. Als Leiter Personenverkehr und Fahrzeugtechnik hat Hrnjak bei der Stadtwerke Schweinfurt GmbH in den vergangenen drei Jahren ein komplett neues Stadtbusnetz etabliert, die Hälfte der Busflotte auf batterieelektrischen Antrieb umgestellt oder ein neues digitales Bezahlsystem (IDBT) eingeführt.

Mirko Hrnjak ist ein Mann der Praxis und kennt den öffentlichen Nahverkehr in all seinen Facetten. So war er von 2009 bis 2018 bei der Stadtwerke München GmbH in unterschiedlichen Positionen tätig, als Bus- und Straßenbahnfahrer, als Verkehrsmeister und Leitstellendisponent, Betriebskoordinator Schiene bis hin zum Leiter des MVG-Betriebszentrums.

Mobilität im Kulturhauptstadtjahr: Mitteldeutsche Regiobahn zieht positive Bilanz

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) hat im Kulturhauptstadtjahr 2025 die Mobilität rund um Chemnitz maßgeblich gestärkt. Neben dem regulären Betrieb bot sie ein erweitertes Verkehrsangebot zu zahlreichen Veranstaltungen und setzte mit einer internationalen Direktverbindung nach Chemnitz sowie einem musikalischen Finale im Regionalverkehr besondere Akzente.

Zusätzliche Angebote für ein Jahr voller Veranstaltungen

Auf den Linien der MRB (RE 6 Leipzig – Chemnitz, RE 3 Dresden – Hof, RB 30 Dresden – Zwickau und RB 45 Chemnitz – Elsterwerda) wurden insgesamt 216 Zusatz‑ und Verstärkerzüge eingesetzt – unter anderem zur Eröffnung der Kulturhauptstadt, zur Abschlussveranstaltung, zum Europäischen Kulturhauptstadt‑Marathon, zum Hutfestival und Kosmosfestival, zu den Großkonzerten von Bryan Adams und Sido sowie zum Heizhaus‑ und Ballonfest. Mit diesem erweiterten Angebot leistete die MRB einen spürbaren Beitrag zu einer komfortablen und verlässlichen An‑ und Abreise für Gäste und Einheimische.

Internationale Anbindung: Snälltaget dreimal bis Chemnitz verlängert

In Kooperation mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) wurde der internationale Nachtzug Snälltåget im Kulturhauptstadtjahr dreimal bis Chemnitz verlängert. Im regulären Fahrplan verbindet Snälltåget Stockholm mit Kopenhagen, Hamburg und Berlin; zusätzlich fährt der Nachtzug freitags regelmäßig bis nach Dresden. Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2025 wurde Chemnitz in das Streckennetz aufgenommen – Reisende aus Schweden, Dänemark, Hamburg und Berlin erhielten damit eine komfortable und umweltfreundliche Direktverbindung in die Kulturhauptstadt Europas. Mit einer Gesamtlänge von 1.743 Kilometern stellte die Verbindung Stockholm – Chemnitz zudem einen neuen Rekord als längste durchgehende Nachtzugverbindung im Streckennetz von Snälltåget auf.

Musikalischer Abschluss: Silbermann‑Soundtrain auf der RB 30

Zum feierlichen Abschluss setzte die MRB mit dem Silbermann‑Soundtrain auf der Linie RB 30 ein kulturelles Highlight: Clemens Lucke, Vizepräsident der Gottfried‑Silbermann‑Gesellschaft, begleitete die Fahrt von Dresden nach Chemnitz auf einer Truhenorgel mit stimmungsvollen, weihnachtlichen Klängen. Die spontane Aktion sorgte für strahlende Gesichter, überraschte Blicke und viele Mitsänger – ein „Flashmob auf Schienen“. Die Kooperation mit der Gottfried‑Silbermann‑Gesellschaft setzte damit den musikalischen Schlusspunkt eines außergewöhnlichen Jahres.

BVG feiert Richtfest auf dem neuen E-Bus-Betriebshof „Treptow“

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) treiben mit voller Kraft die Mobilitätswende voran: Nachdem im Sommer der Bau auf dem neuen E-Bus-Betriebshof in Marienfelde gestartet ist, fand am 10. Dezember 2025 weiter östlich das Richtfest der Ladeinfrastruktur eines weiteren E-Bus-Depots statt. An der Minna-Todenhagen-Brücke in Treptow entsteht derzeit auf einer Fläche von insgesamt 6,6 Hektar ein hochmoderner Standort – vollständig ausgerichtet auf den Betrieb von Elektrobussen und ausgestattet mit modernster Lade-, Werkstatt- und Verwaltungstechnik.

„Elektrobusse sind zunehmend ein zentraler Baustein eines klimafreundlichen ÖPNV. Allerdings ist der Umstieg für Verkehrsunternehmen eine Mammutaufgabe. Mit unserer Förderung schaffen wir einen Ausgleich und unterstützen auch beim Aufbau der nötigen Infrastruktur. Die BVG beweist seit Jahren, dass der Umstieg funktioniert und sich lohnt – für das Unternehmen, für Bürgerinnen und Bürger und erst recht für die Umwelt. Das Gesamtprojekt BIG2025 der BVG unterstützt das BMV mit etwa 160 Millionen Euro.“

Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr

Der neue Betriebshof entsteht auf beiden Seiten der Minna-Todenhagen-Brücke direkt an der Spree. Auf der Uferseite an der Köpenicker Landstraße entstehen Abstell- und Lademöglichkeiten für rund 220 Busse, eine Servicehalle mit Waschanlagen, ein Verwaltungsgebäude und Ladebrücken, an denen die Fahrzeuge durch Pantografen auf dem Dach automatisiert laden können. Auf der gegenüberliegenden Uferseite entsteht der Werkstattstandort sowie Abstellmöglichkeiten für weitere 32 Busse. Insgesamt wird der Standort zu einem modernen Arbeitsplatz für etwa 700 Mitarbeiter, die künftig den Berliner Südosten mit noch mehr emissionsfreier Mobilität versorgen werden.

Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin:

„Berlin ist Vorreiter beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und Elektromobilität – für einen attraktiven Nahverkehr und mehr Lebensqualität in unserer Stadt. Dieser Betriebshof ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer emissionsfreien Flotte. Die Verkehrswende ist machbar – wenn Berlin und Bund gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt:

„Der Betriebshof an der Köpenicker Landstraße steht sinnbildlich wie ganz real für Berlins Weg in eine klimafreundliche, moderne und gesunde Verkehrszukunft. Dieser Standort ist nicht irgendein Bauprojekt. Er ist ein Meilenstein in der Dekarbonisierung der Berliner Busflotte. Das ist gelebte Verkehrs- und Umweltpolitik.  Bund, Land und BVG haben hier Hand in Hand für das Klima gearbeitet – fachlich, finanziell und organisatorisch. Dafür möchte ich allen Beteiligten ausdrücklich danken.“

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG:

„Wir bauen nach 60 Jahren Pause gleich zwei neue Betriebshöfe auf einmal. Damit sollte jedem klar sein, wie ernst wir es meinen. Und wir brauchen beide Höfe dringend, um unserer Stadt auch in Zukunft ein stabiles Bussystem bieten zu können. Genau wie in der Säntisstraße setzen wir auch hier in Treptow komplett neue Standards für alle künftigen Projekte.”

Auf dem Betriebshof wird ein Betriebshofmanagementsystem zum Einsatz kommen: Ein automatisiertes System, das den Fahrzeugeinsatz, deren Abstellung, Ladevorgänge und Serviceintervalle optimiert. Durchdachte Konzepte für Brandschutz, Wartung und Ladeinfrastruktur gewährleisten Stabilität durch Sicherheit und Betriebseffizienz.

Die Investitionskosten für den Bau des Betriebshofs Treptow belaufen sich auf rund 120 Millionen Euro. Dies ist eines von vielen Projekten, die im Rahmen der „Richtlinie zur Förderung alternativer Antriebe von Bussen im Personenverkehr“ mit rund 160 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert werden. Fördermittel dieser Maßnahme werden auch im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans (DARP) über die europäischen Aufbau- und Resilienzfazilitäten (ARF) im Programm NextGenerationEU bereitgestellt. Die Förderrichtlinie wird von der NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt. Das Projekt wird darüber hinaus durch das Bundesland kofinanziert.

Fundament für emissionsfreien und modernen Berliner Busbetrieb

Schon heute betreibt die BVG mit rund 277 E-Bussen eine der größten Flotten Deutschlands. Bis 2027 soll etwa ein Drittel der rund 1.500 Fahrzeuge umfassenden Gesamtflotte elektrisch unterwegs sein – bis Anfang der 2030er-Jahre die gesamte Flotte emissionsfrei. Mit dem neuen Betriebshof in der Säntisstraße sowie dem Betriebshof Treptow schafft die BVG die notwendigen Kapazitäten für den Süden bzw. Südosten der Stadt. Parallel zur Errichtung der neuen Betriebshöfe treibt die BVG auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur im gesamten Stadtgebiet voran – etwa durch Ladesäulen an bis zu 20 Endhaltestellen.

BVG startet humorvolle Reality-Show

Berlin ist ein Dschungel – und der Nahverkehr ein großer Teil des Abenteuers. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) starten mit der neuen Entertainment-Kampagne „Ich bin ein Fahrgast – Ich steig gleich aus!“ ein humorvoll überzeichnetes Format, das typische Alltagserlebnisse im Berliner ÖPNV aufgreift und mit einem Augenzwinkern erzählt. Ein Spaß mit ernstem Kern: Die BVG weiß, dass im Berliner Nahverkehr nicht alles immer glattläuft, und arbeitet jeden Tag daran, das zu ändern. Ab dem 8. Dezember veröffentlicht die BVG jeden Tag um 14 Uhr eine neue Folge zum Mitfiebern – kurz, laut, berlintypisch.

In fünf überzeichneten Reality-Show-Mini-Folgen treten Berliner gegeneinander an. Jede Folge greift Situationen auf, die viele kennen – vom Gedränge zur Rushhour bis hin zu den kleinen Großstadtabenteuern, die nur in Berlin passieren können. Abseits der Parodie tut sich im echten Berliner Untergrund real etwas: Die Zuverlässigkeit der U-Bahn steigt. Seit der Einflottung der neuen Züge hat sich die Lage auf den Linien U1 bis U4 deutlich stabilisiert – von rund 88 Prozent auf zuletzt 97,7 Prozent. Insgesamt lag die Zuverlässigkeit bei der U-Bahn vergangene Woche bei 98 Prozent. Auch Tram und Bus liegen klar auf Kurs: Die Straßenbahn fährt seit Monaten stabil bei mehr als 97 Prozent Zuverlässigkeit, der Busverkehr liegt seit Jahresmitte sogar über der Zielmarke von 99 Prozent.

“Der Alltag in einer Millionenstadt kann schnell zum Großstadtdschungel werden. Wir wissen, dass es gerade bei Bus, Tram und U-Bahn nicht immer rund läuft. Das Team BVG hat die Ärmel hochgekrempelt und dreht an vielen kleinen und großen Stellschrauben. Die ersten Verbesserungen zeigen, dass die Richtung stimmt.“

Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG

„Berlin ist ehrlich – und genau das sind wir auch. Unsere Kampagne ist ein großes, sichtbares Danke und Sorry zugleich. Mit dieser Show sagen wir unseren Fahrgästen vor allem eins: Wir sehen euch, wir hören euch, und wir arbeiten jeden Tag daran, euren Weg mit uns besser zu machen.“

Ineke Paulsen, neue Bereichsleiterin Vertrieb & Marketing bei der BVG

Fünf Challenges, fünf Helden und Berlin entscheidet mit

Ab dem 11. bis und einschließlich 13. Dezember ist dann ganz Berlin gefragt: Im großen Voting können alle Fahrgäste entscheiden, wer ins Finale einzieht und die letzte Challenge gewinnt. Das große Finale wird am 14. Dezember ausgespielt. Alle Folgen laufen auf dem YouTube-Kanal der BVG. Zusätzliche Infos zu allen Kandidaten, Challenges und den Link zur täglichen Folge gibt es gesammelt auf der Kampagnenseite unter BVG.de/Besser.

Weckruf für die Politik: Massiver Strukturbruch im privaten Bussektor

Die aktuellen vorläufigen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik senden ein dramatisches Warnsignal für die Zukunft des privaten Busmittelstands in Bayern: Die Zahl der privaten Verkehrsunternehmen ist von 938 im Jahr 2022 auf nur noch 810 im Jahr 2024 gesunken. Innerhalb von nur zwei Jahren sind damit 128 Betriebe vom Markt verschwunden – ein Rückgang von 13,7 Prozent. Ein derart starker Einbruch in einer so kurzen Zeitspanne wurde bislang noch nie verzeichnet.

Die Ende November veröffentlichten Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik zum gewerblichen Straßenpersonenverkehr zeichnen ein dramatisches Bild von der Situation des bayerischen Mittelstands im Verkehrsgewerbe: Während die Leistungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) konstant bleiben und sogar wachsen, was die steigenden Beschäftigten- und Fahrzeugzahlen zeigen, verschwinden die regional verwurzelten Leistungsträger – die familiengeführten kleinen und mittelständischen Busbetriebe.

“Ein Rückgang von 13,7 Prozent bzw. 128 Betrieben innerhalb von nur zwei Jahren, das ist ein fatales Signal für den familiär geprägten Mittelstand im bayerischen Busgewerbe. Diese Entwicklung ist kein schleichender Strukturwandel mehr, sondern eine dramatische Marktkonsolidierung. Wenn die Politik jetzt nicht entschlossen gegensteuert, werden noch deutlich mehr Betriebe verschwinden. Die neuen Zahlen müssen der letzte Weckruf sein“, fordert LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl. „Außerhalb der Städte stellen die privaten Busbetriebe das Rückgrat der Mobilität im bayerischen Nah- und Schülerverkehr. Ohne sie läuft hier buchstäblich nichts“, warnt Rabl. 

Insgesamt hat sich die Anzahl privat geführter Verkehrsunternehmen laut den Statistischen Berichten seit 2004 von damals 1.242 Unternehmen um 432 bzw. um über 30 Prozent verringert. Eine an sich bereits besorgniserregende Entwicklung. Die Geschwindigkeit der Geschäftsaufgaben der letzten Jahre zeigt jedoch, dass dahinter politische Entwicklungen zu Lasten des Mittelstands stehen müssen, wie zum Beispiel mittelstandsfeindliche Vergaben, mangelhaft finanzierte Verkehrsverträge, die Kommunalisierung von Verkehrsleistungen, das Bürokratiemonster Deutschlandticket oder auch die ausbleibenden Reformen beim Führerscheinerwerb.

Dabei belegen die Statistiken, dass private Busunternehmen (noch) eine tragende Säule der Mobilität in Bayern darstellen. Allein 2024 beförderten private Unternehmen über 310 Millionen Fahrgäste, davon knapp 299 Millionen im Liniennahverkehr. Dennoch geraten immer mehr Betriebe wirtschaftlich an ihre Belastungsgrenzen. „Viele Betriebe stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Wer heute investiert, tut das unter einem enormen Risiko. Ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen, zu denen auch die Anwendung des kürzlich veröffentlichten Bayern-Index ÖPNV (Bus) gehört, ist der Erhalt der mittelständischen Branchenstruktur nicht mehr möglich“, warnt Rabl. Der LBO sieht deshalb die Staatsregierung sowie die kommunalen Aufgabenträger klar in der Pflicht, dieser Entwicklung mit schnellen und umfassenden Maßnahmen entgegenzutreten.