KVB testet Pilotprojekt für Ticketverkauf an Karneval

Der Kauf von ÖPNV-Tickets wird an den Karnevalstagen noch einfacher. Als Pilotprojekt testet die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) erstmals eine sogenannte Web2Wallet-Lösung. Hierbei können sich Fahrgäste ein Ticket per Handy kaufen, ohne vorher eine App herunterladen oder sich registrieren zu müssen. Über einen QR-Code oder den Link www.kvb.koeln/ticket gelangen die Nutzer direkt in den Ticketshop und können dort mit nur wenigen Klicks ihr Ticket erwerben – ganz ohne Tarifkenntnisse oder Anstehen am Ticketschalter. Zur Auswahl im Onlineshop stehen neben dem KarnevalsTicket auch ein 24StundenTicket für eine und für bis zu fünf Personen. Nach dem Kauf kann das Ticket einfach im Wallet gespeichert werden.

Ein vergleichbares Modell wurde vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund beim Oktoberfest erfolgreich umgesetzt. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, wird dieser Verkaufskanal künftig häufiger bei Events wie Karneval genutzt werden, zu denen viele Touristen in die Stadt kommen.

Das KarnevalsTicket kostet 32,40 Euro und gilt von Weiberfastnacht bis einschließlich Veilchendienstag, 17. Februar (bis 3 Uhr des Folgetages). Genutzt werden kann das Ticket im gesamten VRS-Netz und auch im kleinen Grenzverkehr VRS/VRR sowie für Fahrten von und nach Düren, Titz, Merzenich, Nörvenich und Vettweiß im AVV sowie auf ausgewählten Linien aus den und in die Landkreise Altenkirchen, Neuwied, Vulkaneifel und Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.

Außerdem bietet die KVB über diesen Kanal den Kauf von 24StundenTickets an. Dieses Ticket kostet 8,92 Euro für eine Person und 18,04 Euro für fünf Personen. Dieses Ticket gilt nur in Köln (Preisstufe 1b).
Der Ticketshop ist bis einschließlich 17. Februar erreichbar unter www.kvb.koeln/ticket

Friedel Rau: Ein Leben für den Omnibus

Mit tiefer Trauer nehmen der Verband der Baden-Württembergischen Omnibusunternehmen (WBO) und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) Abschied von Friedel Rau, einem der prägendsten Omnibusunternehmer und Verbandsvertreter der deutschen Busbranche. Mit ihm verliert die Branche eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg Maßstäbe gesetzt hat – fachlich, politisch und menschlich.

Friedel Rau war Omnibusunternehmer aus Aalen mit Leib und Seele. Das Busgewerbe war ihm buchstäblich in die Wiege gelegt: Bereits sein Vater Max Rau übernahm 1931 die 1927 gegründete Kommanditgesellschaft Scherz, Omnibusverkehr Aalen. 1961 trat Friedel Rau, Diplomingenieur, in die Fußstapfen seiner Familie und übernahm die Geschäftsleitung des Unternehmens, während seine Ehefrau Henriette die Buchhaltung verantwortete. Später trug Friedel Rau die unternehmerische Verantwortung zusammen mit seinen Söhnen Ulrich und Peter als Geschäftsführer der OVA Omnibus-Verkehr Aalen, Dipl.-Ing. Rau GmbH & Co. KG.

Sein unternehmerisches Wirken war stets untrennbar mit seinem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement verbunden. Bereits 1967 wurde Friedel Rau im WBO als Referent Technik in den Vorstand gewählt. Nach dem tragischen Unfalltod von Erich Schefenacker übernahm er am 9. Februar 1972 den Vorsitz des Verbandes. 25 Jahre lang lenkte er als Präsident die Geschicke des WBO – mit Klarheit, Beharrlichkeit und einem tiefen Verständnis für die Belange der mittelständischen Omnibusunternehmen.

Sein Engagement reichte weit über Baden-Württemberg hinaus. 1973 wurde Friedel Rau Vizepräsident des damaligen Bundesverbandes BDP, 1974 war er maßgeblich an der Gründung der gbk – Gütegemeinschaft Buskomfort beteiligt. Die Gründung des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) im Jahr 1981 geht wesentlich auf seine Initiative zurück. Friedel Rau wurde dessen erster Präsident und prägte den Verband bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1995 entscheidend.

Friedel Rau lebte das Ehrenamt mit außergewöhnlicher Hingabe. Er war streitbar, leidenschaftlich und konsequent in der Sache – zugleich stets dem Ausgleich verpflichtet. Für viele war er ein Kämpfer, für alle ein verlässlicher Ansprechpartner, für die Branche eine Legende. Für sein Wirken erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg sowie die Silberne Ehrenplakette seiner Heimatstadt Aalen.

Im hohen Alter zog sich Friedel Rau aus dem öffentlichen Wirken zurück, blieb der Branche jedoch innerlich stets verbunden. WBO und bdo verlieren mit ihm einen außergewöhnlichen Gestalter und überzeugten Vertreter des mittelständischen Busgewerbes. WBO und bdo mit ihrer Unternehmerschaft sind Friedel Rau zu großem Dank verpflichtet und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen.

DB-Chefin Evelyn Palla lädt zum Sicherheits-Gipfel ein

Nach dem brutalen Gewaltakt gegen den verstorbenen DB-Mitarbeiter Serkan C. bringt DB-Vorstandschefin Evelyn Palla jetzt einen Sicherheitsgipfel auf den Weg. Die DB will die Entscheidungsträger für mehr Sicherheit auf der Schiene an einen Tisch holen. Eingeladen werden insbesondere die Länder und deren Aufgabenträger, die den Nahverkehr auf der Schiene bestellen und damit auch das Sicherheitskonzept in den Regionalverkehrszügen dimensionieren, sowie weitere Vertreter aus Bundespolitik, des Bundesverkehrsministeriums, der Gewerkschaften, der Bundespolizei und der Bahnbranche. Mit dieser Initiative für mehr Sicherheit will die Bahnchefin kurzfristige Maßnahmen mit allen relevanten Akteuren definieren, aber auch die langfristige Finanzierungsfrage der Sicherheitskräfte im Regional- und Nahverkehr klären, da deren Einsatz über Verkehrsverträge individuell festgelegt wird.

„Unser Kollege Serkan wurde Opfer sinnloser Gewalt – jetzt müssen wir handeln! Schluss mit den Angriffen auf Menschen, die für unsere Gesellschaft im Einsatz sind – ob in Uniform oder zivil.“

DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla

Der Sicherheitsgipfel soll so bald wie möglich in Berlin stattfinden.

Startschuss für Jubiläumsjahr: 125 Jahre Straßenbahn in Freiburg

Mit einer besonderen Sonderfahrt haben die Freiburger Verkehrs-AG (VAG) und die Stadt Freiburg das Jubiläumsjahr „125 Jahre Straßenbahn in Freiburg“ eingeläutet. Vor 125 Jahren, am 14. Oktober 1901, nahmen die ersten Straßenbahnen ihren Betrieb zwischen dem „Rennweg“ und Günterstal auf. Auf einem Teil dieser historischen Strecke – vom Europaplatz zum Klosterplatz in Günterstal – fuhr am 5. Februar 2026 die neuste Straßenbahn der VAG. Zum Einsatz kam die Bahn Nummer 325 vom Typ Urbos 100 – frisch beklebt im Design des Stadtbahnjubiläums. Das besondere an der Fahrt: Mit 42 Metern Länge verkehren die Urbos-Straßenbahnen im Regelbetrieb nicht auf dieser Strecke, da die Haltestellen dort zu kurz sind. Für den Jubiläumsauftakt ermöglichte die Betriebsleitung eine seltene Ausnahme.

Taufe der Jubiläumsbahn am Europaplatz

Am Europaplatz tauften Oberbürgermeister Martin Horn sowie die VAG-Vorstände Stephan Bartosch und Oliver Benz die Straßenbahn mit Wasserfontänen in den Farben der fünf Freiburger Straßenbahnlinien.

Martin Horn betonte den hohen Stellenwert der Straßenbahn für Freiburg: „Die Straßenbahn ist aus Freiburg nicht mehr wegzudenken.“ Während viele andere Städte in den 1960er- und 1970er-Jahren ihre Straßenbahnen komplett stilllegten und sich ausschließlich aufs Automobil ausrichteten, habe es in Freiburg ein klares Bekenntnis zur Tram gegeben. „Die Stadt profitiert bis heute von dieser Entscheidung“, erklärte Horn. „Die Straßenbahnen leisten einen zentralen Beitrag für nachhaltige Mobilität in Freiburg. Ein großes Danke an alle Menschen, die das möglich machen.“

VAG-Vorstand Oliver Benz verwies auf die technische Entwicklung: „Wenn man die ersten Hobel mit den heutigen Fahrzeugen vergleicht, sieht man, wie stark sich der Stadtbahnverkehr verändert hat. Die Bahnen sind ruhiger, moderner, deutlich länger und bieten viel mehr Komfort für Fahrgäste.“

VAG-Vorstand Stephan Bartosch hob die Entwicklung des Netzes hervor: „Das Liniennetz der VAG ist seit den Anfangstagen von rund neun Kilometern auf heute mehr als 40 Kilometer angewachsen. Dieses Wachstum zeigt, wie wichtig die Straßenbahn für die Mobilität in Freiburg ist.“

Vergangenheit und Zukunft

Die Fahrt verband bewusst Vergangenheit und Zukunft: eine moderne Straßenbahn auf historischen Gleisen als Symbol für 125 Jahre Stadtbahn in Freiburg. Im Rahmen der Sonderfahrt stellten die VAG-Vorstände auch das Programm für das Jubiläumsjahr vor. Ein Höhepunkt: Am letzten Septemberwochenende laden die Freunde der Freiburger Straßenbahn (FdFS) gemeinsam mit der VAG zu einem großen Straßenbahnfest auf den historischen Betriebshof in der Urachstraße ein. Zum Start des Jubiläumsjahrs pendelte der Triebwagen 56 aus dem Jahr 1927 zwischen Europa- und Klosterplatz. Am Klosterplatz hatte der Ortsverein Günterstal einen Umtrunk für Gäste der Feierlichkeiten organisiert.

Höhepunkte des Jubiläumsjahrs: 

  • Von März bis Oktober: Verschiedene Sonderfahrten auf den Spuren der Straßenbahngeschichte im historischen Triebwagen 56 aus dem Jahr 1927 durch Freiburg.
  • Das ganze Jahr über: Führungen auf dem Betriebshof der VAG auf der Haid unter besonderer Berücksichtigung der Straßenbahngeschichte. Die Veranstaltungen und Gewinnspiele werden unter anderem über die Sozialen Medien der VAG (Instagram, Facebook und LinkedIn) angekündigt.
  • Ab dem 5. Februar: Der Online-Shop mit Pullis, Sonderdrucken und verschiedenen Artikeln im Jubiläumsdesign und anderen VAG-Designs ist online. Der Shop ist auf der Webseite der VAG (www.vag-freiburg.de) verlinkt.
  • Großes Jubiläumsfest auf dem Betriebshof Süd in der Urachstraße am 26. und 27. September – ein Event der Freunde der Freiburger Straßenbahn e.V. mit Unterstützung der VAG. Mit Foodtrucks, Foto- und Fahrzeugausstellungen, Sonderfahrten, Pendelverkehren zur Innenstadt, Musik, etc.
  • Virtuelle Betriebsführung: Auf der Webseite der VAG soll eine interaktive Karte aufbereitet werden, auf der die verschiedenen Abteilungen vorgestellt werden.
  • Die VAG nimmt ihre historische Verantwortung wahr und recherchiert umfassend über die Historie der damaligen städtischen Verkehrsbetriebe in der Nazizeit. Die Ergebnisse dieser Aufarbeitung präsentiert die VAG voraussichtlich im Laufe des Sommers.

BVG macht Technik und Infrastruktur zur Vorstandssache

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) richten sich weiter konsequent neu aus: Zum Februar startet Marc Hermann als neuer Vorstand für Technik und Infrastruktur. Mit dem neu geschaffenen Ressort setzt die BVG einen zentralen Meilenstein ihrer Neu-Organisation und stärkt gezielt jene Bereiche, die für einen stabilen und verlässlichen Betrieb unverzichtbar sind.

Die Bündelung von Technik und Infrastruktur auf Vorstandsebene ist ein wesentliches Element des eingeschlagenen Stabilitätskurses. Ziel ist es, die technische Basis der BVG nachhaltig zu festigen. Marc Hermann bringt langjährige Erfahrung aus dem Schienenverkehr mit. Zuletzt war er als Gesamtprojektleiter bei der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH tätig und verantwortete den Bau des neuen ICE Instandhaltungswerks in Cottbus.

Der Bauingenieur und MBA übernimmt sein Amt zu einem zentralen Zeitpunkt für die BVG: Aktuell baut das Unternehmen gleich drei neue Betriebshöfe – in Marienfelde, Treptow und Adlershof – und treibt parallel die umfangreiche Beschaffung neuer Fahrzeuge voran. Diese Projekte bilden das Rückgrat für einen stabilen, leistungsfähigen Betrieb.

 „Eine leistungsfähige Infrastruktur und moderne Fahrzeuge sind die Voraussetzung für einen verlässlichen Nahverkehr. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Kolleg*innen die technischen Grundlagen der BVG weiter zu stärken.“

Marc Hermann, Vorstand Technik und Infrastruktur

Marc Hermann bildet gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Henrik Falk sowie der Vorständin Betrieb und Personal, Jenny Zeller-Grothe, das vollständige dreiköpfige Vorstandsteam der BVG: „Mit der Schaffung des Ressorts Technik und Infrastruktur fügen wir das entscheidende fehlende Puzzlestück in unserer Neu-Organisation ein. Wir vervollständigen unsere Vorstandsstruktur und schaffen klare Verantwortlichkeiten für zentrale Zukunftsaufgaben der BVG. Marc Hermann bringt genau die Erfahrung und den Fokus mit, den wir brauchen, um unsere technischen Kernaufgaben konsequent voranzubringen. Das ist unerlässlich für unseren Stabilitätskurs.“

Eisenbahn bekommt stärkere Stimme für die Infrastruktur

Die Eisenbahn in Deutschland steht vor grundlegenden Herausforderungen. Viele Probleme im Eisenbahnverkehr entstehen nicht im täglichen Betrieb, sondern haben ihre Ursache in der Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den Allgemeinen Ausschuss Eisenbahninfrastruktur (AAEI) gegründet. Mit Jörg Sandvoß, vormals Konzernbeauftragter für gemeinwohlorientierte Infrastruktur, und Harald Kreft, Head of Infrastructure bei der Hamburg Port Authority, wurden zwei ausgewiesene Experten als Vorsitzende des Ausschusses gewählt, die tiefe Kenntnisse zur bundeseigenen Eisenbahninfrastruktur besitzen, aber auch einen klaren Blick für die Bedarfe des nicht-bundeseigenen Netzes einbringen.

Ziel des Ausschusses ist es, den Infrastrukturunternehmen eine stärkere, sichtbare und fachlich fundierte Stimme zu geben. „Über viele Jahre konnten wir das System Eisenbahn vor allem aus Sicht des Betriebes betrachten. Das war möglich, weil die Infrastruktur lange als stabil und zuverlässig galt“, sagt Jörg Sandvoß, Vorsitzender des neuen Ausschusses. „Heute sprechen wir über ein Netz von rund 39.000 Kilometern – nur rund 60 Prozent dieses Netzes elektrifiziert – das an seine Belastungsgrenzen gekommen ist. Zustand, Organisation und Finanzierung der Infrastruktur bestimmen unmittelbar Qualität, Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit der Eisenbahn. Deshalb müssen die Bedarfe der Infrastrukturbetreiber klar benannt und konsequent in politische Entscheidungen einbezogen werden.“ Der AAEI dient als Koordinierungs- und Strategiegremium für infrastrukturelle Fragestellungen im Schienenverkehr.

Die Infrastruktur ist der entscheidende Faktor für das Funktionieren des Eisenbahnsystem und bildet die Grundlage für Personen- und Güterverkehre in ganz Deutschland. Das betrifft sowohl die bundeseigene Schieneninfrastruktur als auch die nicht bundeseigenen Netze. Überlastete Knoten, Baustellen, begrenzte Kapazitäten und komplexe regulatorische Vorgaben prägen zunehmend den Alltag. Der neue Ausschuss setzt genau an dieser Stelle an und ergänzt die bislang nutzerorientierte Betrachtung verstärkt um die der Infrastrukturunternehmen.

Perspektivwechsel: Infrastruktur konsequent vordenken

Der AAEI ergänzt die Arbeit der bestehenden VDV-Fachausschüsse, entwickelt übergreifende Positionen und schafft ein Forum für den regelmäßigen Austausch der Infrastrukturunternehmen. Ziel ist es, Herausforderungen systematisch zu analysieren und gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten. Oliver Wolff, VDV-Hauptgeschäftsführer und Geschäftsführer Eisenbahn, unterstreicht die Bedeutung des Ausschusses:

„Wir sind der Branchenverband für die Eisenbahn in Deutschland und vertreten ein System mit 33.400 Kilometer bundeseigener und 5.900 Kilometer nicht bundeseigener Infrastruktur. Diese Zahlen zeigen die Dimension unserer Aufgabe. Leistungsfähigkeit, Pünktlichkeit und Wachstum der Eisenbahn hängen unmittelbar von dieser Infrastruktur ab. Wenn wir das System als Ganzes weiterentwickeln wollen, müssen wir die Infrastruktur konsequent vordenken. Der AAEI schafft dafür die richtige Plattform und bringt die Perspektive der Infrastrukturbetreiber strukturiert in politische und fachliche Debatten ein.“

Themen: Finanzierung, Qualität, Weiterentwicklung

Der Ausschuss befasst sich mit zentralen Fragestellungen rund um die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur, die Weiterentwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen – insbesondere bei Trassenpreisen – sowie mit dem Beitrag der Infrastruktur zu Qualität und Pünktlichkeit. Weitere Themen sind der engpassorientierte Ausbau, der Erhalt und die Modernisierung der Netze, Fragen der Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, der Abbau bürokratischer Hürden sowie der Einsatz moderner Zugsicherungssysteme. Harald Kreft: „Infrastrukturen sind, unabhängig ob bundeseigen oder nicht bundeseigen und trotz Unterschieden, in einer Gesamtsystematik zu denken. Nur so lassen sich realistische Zielbilder für eine leistungsfähige Eisenbahn entwickeln.“ Der Ausschuss kommt in der Regel zweimal jährlich zu zusammen. „Zu den ersten Arbeitsschwerpunkten zählen Fragen der Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung, die Weiterentwicklung des Trassenpreissystems sowie die Korridorsanierungen“, ergänzt Sandvoß.

Korridorsanierungen: Belastung für den Betrieb

Ein dominierendes Thema werden die Korridorsanierungen. Im ohnehin stark beanspruchten Netz führen die derzeit damit verbundenen monatelangen Vollsperrungen zu spürbaren Belastungen im laufenden Betrieb. Kapazitäten gehen verloren, Fahrzeiten verlängern sich, die Zuverlässigkeit sinkt und der betriebliche Aufwand steigt. Damit geraten auch Stabilität und Qualität unter Druck.

„Korridorsanierungen sind fachlich richtig und notwendig. Aber sie treffen auf ein Netz mit 25 dauerhaft überlasteten Schienenwegen. Gleichzeitig steigt die Bautätigkeit massiv – von rund 21.000 Baustellen 2024 über etwa 26.000 im letzten Jahr auf voraussichtlich 28.000 Baustellen dieses Jahr. Hinzu kommt, dass rund 15 Prozent der Züge keine Umleitungsmöglichkeit haben, in einzelnen Korridoren sind es in der Spitze bis zu 35 Prozent. Entscheidend ist deshalb, dass wir von Sanierung zu Sanierung eine echte Lernkurve hinlegen und eine Optimierung Made in Germany erreichen, bei der Planung, Bau und Betrieb der Infrastruktur systematisch zusammen gedacht werden.“

Oliver Wolff

Und auch, dass Korridore nach der Sanierung tatsächlich leistungsfähiger sind und nicht nur 1:1 die Gleise getauscht wurden.

Politik gefragt: System stabilisieren

Aus Sicht des VDV sind begleitende Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen die frühzeitige Sicherung und Ertüchtigung von Umleiterstrecken, eine stärkere Prüfung alternativer Sperrkonzepte sowie der Ausgleich von bau- und betriebsbedingten Mehrkosten. In angespannten Phasen braucht es pragmatische Regelungen und eine enge Abstimmung aller Beteiligten. Darüber hinaus ist ein transparentes, planbares und faires Trassenpreissystem notwendig, das die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene unterstützt. „Mit dem Allgemeinen Ausschuss Eisenbahninfrastruktur geben wir der Infrastruktur den Stellenwert, den sie für das Funktionieren des Systems Eisenbahn benötigt“, so Wolff abschließend. „Eine leistungsfähige und verlässliche Eisenbahn beginnt nicht im Fahrplan, sondern im Netz.“

22 neue Straßenbahnen für Mainz: Finanzierung steht

Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) investiert in 22 neue, hochmoderne Straßenbahnen des Typs Škoda ForCity Smart. Für die durch die DAL (Deutsche Anlagen-Leasing) strukturierte Finanzierung wurde ein Konsortialdarlehen über mehr als 100 Millionen Euro vereinbart, das unter der Führung der DAL/Deutsche Leasing Finance umgesetzt wurde. Als Konsortialpartner sind die Helaba, die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) sowie die Rheinhessen Sparkasse beteiligt. Die ISB stellt dem gesamten Bankenkonsortium zusätzlich Refinanzierungsmittel zur Verfügung.

Die MVG als Tochter der Mainzer Stadtwerke AG wird die Fahrzeuge in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt einsetzen und so ihr Angebot im öffentlichen Personennahverkehr ausbauen. Das Konsortialdarlehen hat eine Laufzeit von insgesamt 25 Jahren und unterteilt sich in eine Bauzeit- und Endfinanzierung. Die Auslieferung der Fahrzeuge ist für den Zeitraum von 2028 bis 2030 vorgesehen.

Beitrag zur Modernisierung des Mainzer ÖPNV

„Für den öffentlichen Personennahverkehr in Mainz spielt die Straßenbahn eine zentrale Rolle“, verdeutlicht MVG-Geschäftsführer Florian Wiesemann die Wichtigkeit des städtischen Infrastrukturprojekts. „Die neuen, rund 43 Meter langen Bahnen gewährleisten mittel- und langfristig einen zuverlässigen Straßenbahnbetrieb. Mit ihrer deutlich größeren Kapazität sind sie unverzichtbar, um die weiter steigenden Fahrgastzahlen zu bewältigen, die Attraktivität des ÖPNV zu steigern und so die Mobilitätswende in Mainz weiter voranzutreiben.“

Andreas Geue, Vorsitzender der Geschäftsführer der DAL Deutsche Anlagen-Leasing, ergänzt: „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir hier an unserem Unternehmenssitz in Mainz gemeinsam mit einem regional ansässigen Bankenkonsortium unter der Führung der DAL/Deutsche Leasing Finance einen Beitrag zur Mobilitätswende leisten können. Gerade im öffentlichen Personennahverkehr sind lange Laufzeiten, planbare Konditionen und tragfähige Belastungen entscheidend. Mit der gewählten Struktur kombinieren wir eine langfristige Finanzierung mit bereitgestellten Fördermitteln und schaffen damit für die MVG ein hohes Maß an Planungssicherheit.“

Zweiter Anlauf für Ausschreibung der Linie München–Prag gestartet

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienenpersonennahverkehr in Bayern im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, hat die Ausschreibung für den Betrieb der Bahnlinie München–Regensburg–Prag gemeinsam mit dem tschechischen Verkehrsministerium gestartet. Das Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem europaweiten Teilnahmewettbewerb regelt das Zugangebot von Ende 2031 bis Ende 2046. Bayern und Tschechien nehmen damit den zweiten Anlauf bei diesem Projekt. Das erste Vergabeverfahren war im Herbst 2024 aufgehoben worden, nachdem kein wirtschaftlich akzeptables Angebot eingegangen war.

„Die Zugverbindung zwischen den beiden zentralen europäischen Metropolen Prag und München ist nicht nur Tschechien und Bayern sehr wichtig, es handelt sich um eine bedeutende europäische Magistrale. Aufgrund der hohen Komplexität benötigt das Verfahren ausreichenden Vorlauf. Ich hoffe, dass mehrere Interessenten für diese prestigeträchtige Strecke ihren Hut in den Ring werfen werden“, betonte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der BEG ist.

Das Ausschreibungsprojekt mit der Linienbezeichnung RE/Ex 36 umfasst 2,8 Millionen Zugkilometer pro Jahr, davon 1,8 Millionen in Bayern. Mit Zügen im Zweistundentakt bleibt das Fahrplankonzept weitgehend unverändert. Hinzu kommt gegenüber dem Verkehrsangebot bis 2031 eine Spätverbindung von Prag nach München mit Abfahrt gegen 19:45 Uhr in der tschechischen Hauptstadt. Die Verstärkerzüge zwischen Regensburg und München sowie Regensburg–Hof (RE 23) zur Hauptverkehrszeit werden in andere Verkehrsverträge integriert.

In der Ausschreibung werden neue, klimatisierte Fahrzeuge im Fahrgastbereich gefordert, die mit WLAN ausgestattet sind. Gebrauchte Loks sind hingegen zugelassen. Die künftigen Züge werden durchgehend mindestens 500 Sitzplätze aufweisen und damit zwischen Regensburg und Pilsen mehr Fahrgäste aufnehmen können.

„Wir haben aus der vorangegangenen Ausschreibung wichtige Erkenntnisse abgeleitet“, sagt BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs. „Herausgekommen sind vereinfachte, kostendämpfende Anforderungen an die Bieter. Künftig sind weniger Loks, weniger Rangierfahrten und entsprechend auch weniger Personal nötig als heute. Dadurch sinken zum einen die Kosten für den Eisenbahnbetrieb, zum anderen entlasten wir durch die wegfallenden Rangierfahrten die chronisch verstopften Hauptbahnhöfe in München und Regensburg. An Neufahrzeugen halten wir allerdings fest, um den Fahrgästen einen zeitgemäßen Komfort im grenzüberschreitenden Verkehr in Europa zu bieten.“ Der aktuelle Betreiber der Regionalzuglinie München–Prag auf bayerischem Terrain, die Länderbahn, setzt derzeit noch Reisezugwagen aus den 1980er Jahren ein. Den Zeitraum zwischen Dezember 2028 und Dezember 2031 werden noch separate Übergangsverträge in beiden Ländern regeln. Für den bayerischen Part läuft hierbei seit 17.09.2025 die Ausschreibung.

Der Betrieb der Regionalzüge zwischen München und Prag ist besonders anspruchsvoll, weil sich elektrifizierte und nicht elektrifizierte Abschnitte abwechseln und zudem drei unterschiedliche Stromsysteme auf der Strecke existieren. Mit einer durchgängigen Elektrifizierung wird erst im Laufe der zweiten Hälfte der Vertragsdauer gerechnet. Dennoch sollen die Züge im neuen Verkehrsvertrag zwischen München und Pilsen ohne Lokwechsel fahren. Möglich macht das der Einsatz moderner Hybridloks. Lediglich in Pilsen ist dann noch ein Lokwechsel nötig, weil sich das tschechische Stromsystem von dem in Deutschland unterscheidet. Aktuell gibt es auf dem Weg von München nach Prag noch drei Lokwechsel: in Regensburg, in Schwandorf und in Pilsen.

Detaillierte Informationen zum Vergabeverfahren finden Sie im Steckbrief.

Erster Batteriezug in Sachsen geht in den Fahrgastbetrieb

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) startet am 2. Februar 2026 mit dem ersten batterieelektrischen Zug in den regulären Fahrgastbetrieb auf der Linie RE 6 Chemnitz – Leipzig. Damit beginnt in Sachsen der Einsatz moderner Akkutechnologie im getakteten Schienenpersonennahverkehr.

Schrittweiser Start in den batterieelektrischen Betrieb

Mit der Betriebsaufnahme erfolgt der Startschuss für die schrittweise Umstellung auf die neuen Batteriezüge. Ein Umlauf des RE 6 wird elektrisch gefahren – jede vierte Fahrt ist damit ab sofort eine batterieelektrische Fahrt. Die verbleibenden Zugfahrten folgen sukzessive, abhängig von der fortlaufenden Auslieferung durch den Hersteller Alstom und dem Fahrzeugeigentümer VMS GmbH, bis die vollständige Flotte im Einsatz ist.

In den vergangenen Monaten liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Triebfahrzeugführer der MRB wurden umfassend geschult, zahlreiche Testfahrten durchgeführt und die Alstom‑Werkstatt für das neue Fahrzeug qualifiziert. Gleichzeitig machten sich die Kundenbetreuer mit ihrem neuen Arbeitsplatz vertraut.

Der neue Akkuzug Coradia Continental BEMU

BEMU steht für Battery Electric Multiple Unit (deutsch: Batterie-Elektrotriebwagen). Die Akkumulatoren mit 840 kWh Bruttokapazität werden während der Zugwende an den Endbahnhöfen Chemnitz und Leipzig über die Oberleitung in knapp einer Stunde nachgeladen. Die Technologie ermöglicht den lokal emissionsfreien elektrischen Betrieb auch auf nicht elektrifizierten Streckenabschnitten und kommt erstmals im planmäßigen Fahrgastbetrieb in Sachsen zum Einsatz. Gegenüber einer Fahrt mit den aktuellen Doppelstockzügen mit Diesellokomotiven wird der CO2-Verbrauch um zwei Drittel reduziert. Neben der hohen Effizienz elektrischer Antriebe sorgt hierfür auch die Rückspeisung von Energie in die Batterien beim Bremsen (Rekuperation).

Die Reichweite beträgt bis zu 120 Kilometer pro Ladung. Die Fahrzeuge verkehren in der Regel mit zwei Einheiten mit insgesamt 300 Sitzplätzen, davon 18 in der 1. Klasse. Zur Ausstattung gehören Rollstuhl- und Fahrradstellplätze, ein behindertengerechtes WC sowie Steckdosen und Tische. Für Fahrgäste unterscheiden sich die Akku-Fahrzeuge optisch nur durch die Akkus auf dem Dach von den bereits seit vielen Jahren zuverlässig auf der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Dresden, Chemnitz, Plauen und Hof verkehrenden Coradia‑Continental‑Zügen (RE 3, RB 30, RB 45).

Finanzierung und Fahrzeugbereitstellung

Die insgesamt elf Fahrzeuge wurden von der VMS GmbH und dem ZVNL finanziert. Die Vermietung erfolgt an die Mitteldeutsche Regiobahn – Transdev Regio Ost GmbH, die den Betrieb der Linie RE 6 verantwortet. Die Instandhaltung der Fahrzeuge erfolgt durch die Firma Alstom in der Werkstatt Chemnitz.

Eine verkehrlich bedeutende Strecke für die Region

Die Verbindung Chemnitz – Leipzig ist die wichtigste überregionale Bahnstrecke für Chemnitz. Große Abschnitte sind bislang eingleisig, Kreuzungsmöglichkeiten fehlen und eine Elektrifizierung steht noch aus. Die notwendigen Infrastrukturplanungen laufen. Die hohe Nachfrage zeigt die Relevanz der Linie: Im Jahr 2025 nutzten über zwei Millionen Fahrgäste die RE 6.

„Mit der heutigen Inbetriebnahme setzen wir gemeinsam einen wichtigen Meilenstein für den regionalen Bahnverkehr. Die neuen Akku-Züge erhöhen den Fahrgastkomfort, verbessern nachhaltig die Umweltbilanz und stärken eine der wichtigsten regionalen Verbindungen in Mitteldeutschland. Der heutige Start ist das Ergebnis einer engen und verlässlichen Zusammenarbeit zwischen VMS und der Mitteldeutschen Regiobahn.“

Jan Kleinwechter, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Regiobahn

Batteriezüge als Teil der E‑Mobility‑Initiative von Transdev

Die Inbetriebnahme der batterieelektrischen Züge auf der Linie RE 6 fügt sich in eine umfassende E‑Mobility‑Strategie von Transdev in der Region ein. Seit dem 1. Januar 2026 betreibt die Transdev‑Tochter Regionalverkehr Westsachsen GmbH (RVW) im Auftrag des Landkreises Zwickau das vollständige Regionalbusnetz. Rund 70 Prozent der jährlich gefahrenen 4,1 Millionen Buskilometer werden künftig mit Elektrofahrzeugen erbracht. Parallel wird das Netz ausgebaut und das Angebot weiter verbessert. Damit zählt der Landkreis Zwickau zu den ersten Regionen in Deutschland, die im öffentlichen Verkehr eine so hohe Quote elektrisch betriebener Busse erreichen.

„Die Einführung der Akku-Züge auf dem RE 6 und der parallele Ausbau der Elektromobilität im Regionalbusverkehr zeigen: Wir treiben die Verkehrswende im Schulterschluss mit unseren Partnern konsequent voran. Mit den neuen Batteriezügen und einer der bundesweit höchsten E‑Bus‑Quoten setzen wir ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität in der Region und für ganz Sachsen.“

Roman Bartels, Regionalleiter Ost Transdev GmbH & Vorsitzender der Geschäftsführung der Mitteldeutschen Regiobahn

Begeisterte Resonanz bei der Eröffnung der Hermann-Hesse-Bahn

Mit großer Freude, bewegenden Momenten und tausenden begeisterten Besuchern hat der Landkreis Calw am Samstag, 31. Januar 2026, die Eröffnung der Hermann-Hesse-Bahn gefeiert. Was über viele Jahre hinweg geplant, diskutiert und gebaut wurde, ist nun Wirklichkeit – und wurde von der Bevölkerung mit spürbarem Stolz und großer Begeisterung angenommen, entlang der gesamten reaktivierten Bahnstrecke, bei welcher nun nach über 40 Jahren Stillstand wieder der Betrieb zwischen Calw und Weil der Stadt aufgenommen wurde. Die Hermann-Hesse-Bahn ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Sie ist ein emotionaler Meilenstein, ein starkes Zeichen für eine moderne, nachhaltige Mobilität und ein Aufbruchsignal für die gesamte Region. Der ländliche Raum wird ein aktiver Teil der Metropolregion Stuttgart.

Die Hermann-Hesse-Bahn fuhr am Vormittag erstmals feierlich von Calw nach Weil der Stadt und wurde an den Stationen Heumaden, Althengstett und Ostelsheim herzlich empfangen. Viele Menschen warteten gespannt an den Bahnsteigen, winkten dem Zug zu und machten diesen Moment zu einem sichtbaren Ausdruck regionaler Verbundenheit. Die festlichen Stopps mit symbolischen Akten wie der Übergabe von Zeitkapseln und kurzen Ansprachen von Verkehrsminister Winfried Hermann, Landrat Helmut Riegger und den Standort-Bürgermeistern unterstrichen eindrucksvoll, wie sehr sich die Kommunen entlang der Strecke mit „ihrer“ Bahn identifizieren.

Ab 12 Uhr verwandelte sich der Bahnhof Calw in einen lebendigen Treffpunkt für die gesamte Region. Das große Bahnhofsfest lockte Familien, Eisenbahnbegeisterte, Pendlerinnen und Pendler sowie zahlreiche Gäste aus dem Landkreis sowie weit darüber hinaus an. Infostände, Mitmachaktionen und ein buntes Kinderprogramm sorgten für eine ausgelassene und zugleich informative Atmosphäre. Besonderen Zuspruch fand die Verlosung von Freifahrten für die Hermann-Hesse-Bahn – ein symbolischer Auftakt für viele kommende Fahrten im Alltag der Bürger.

Ein besonderes Zeichen für die Bedeutung des Projekts setzte die Teilnahme von Verkehrsminister Winfried Hermann, der betonte, dass mit der Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn für die Menschen im Landkreis Calw ein neues Verkehrskapitel beginne. „Nach 43 Jahren Pause fahren hier wieder Züge – wie zuvor über 111 Jahre lang bis 1983. Die Stilllegung der Strecke war ein Fehler, der heute dank des Muts und des Engagements vieler Menschen aus der Region korrigiert wird“, sagte er. Das Verkehrsministerium und er persönlich hätten dieses vorbildliche Reaktivierungsprojekt gern und vielfach unterstützt. „Hier fahren ab jetzt aber nicht wieder alte Eisenbahnen, sondern hochmoderne Batteriezüge. Sie sind technisch innovativ und klimafreundlich. Das ist ein großer Gewinn für die Fahrgäste, für die ganze Region und fürs Klima. Es ist ein gutes Angebot zum Umsteigen. Die neue Verbindung bringt Calw und die umliegenden Gemeinden deutlich näher an Stuttgart heran und auch die Stuttgarterinnen und Stuttgarter näher an Calw. Die Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn zeigt, was möglich ist, wenn vor Ort gemeinsam an einem Ziel gearbeitet wird. Wir werden die bei der Umsetzung gemachten Erfahrungen aufarbeiten, um daraus zu lernen und diese Erkenntnisse bei künftigen Reaktivierungsprojekten zu nutzen. Die neue Bahn wird für andere Regionen ein Anstoß und eine Ermutigung sein, ihre Bahnstrecken wieder in Betrieb zu nehmen“, so der Minister.

Gemeinsam mit Landrat Helmut Riegger würdigte er das große Engagement aller Beteiligten und betonte die Vorbildfunktion des Projekts für andere Regionen in Baden-Württemberg. „Dank der hervorragenden Unterstützung des Landes konnten wir die wichtige Bahnstrecke wieder in Betrieb nehmen. Ich danke Verkehrsminister Hermann für seinen Einsatz für den Landkreis Calw“, betont Landrat Riegger. 

SWEG-Züge verbinden innovative Technologie, Klimaschutz und Komfort

Ein weiteres Highlight folgte am Nachmittag: Bei der Aktion „Bahn zum Anfassen“ konnten die modernen Triebwagen der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) aus nächster Nähe besichtigt werden. Diese verbinden innovative Technologie, Klimaschutz und Komfort für die Fahrgäste. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, einen Blick ins Innere der Züge zu werfen, Fragen zu stellen und sich von der Ausstattung, die unter anderem Klimaanlage, WLAN, Steckdosen und Toiletten umfasst, zu überzeugen. Die batterieelektrischen Triebzüge des Typs Mireo Plus B des Herstellers Siemens Mobility werden mit Ökostrom betrieben, stoßen keine Emissionen aus und fahren äußerst geräuscharm. Dank ihres Batteriehybridantriebs können sie auf Strecken mit und ohne Oberleitung eingesetzt werden. Die Reichweite des Mireo Plus B beträgt im Batteriebetrieb unter realen Bedingungen bis zu 120 Kilometer und kann an der Oberleitung und durch Nutzung der Bremsenergie aufgeladen werden. „Die SWEG steht nicht nur für Qualität, sondern auch für Innovation. Wir freuen uns sehr, die Innovationszüge, die sich bereits in der Ortenau bewährt haben, nun auch auf der Hermann-Hesse-Bahn zur Verfügung zu stellen. Ohne die Batteriehybridzüge wäre ein elektrischer und damit lokal emissionsfreier Verkehr auf dieser Strecke gar nicht möglich“, sagt Tobias Harms, Vorsitzender der SWEG-Geschäftsführung.

VVS: ein Meilenstein für vernetzte Mobilität

Mit dem Start der Hermann-Hesse-Bahn gilt auf der Schiene und den parallel verlaufenden Buslinien der VVS-Tarif. Fahrgäste ohne Deutschland-Ticket fahren auf der Strecke zwischen Stuttgart und Calw künftig rund 9 Euro günstiger. Außerdem brauchen sie nur noch ein Ticket. VVS-TagesTickets Netz gelten sogar im gesamten Landkreis Calw.

Jan Neidhardt, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), betonte die Bedeutung der Hermann-Hesse-Bahn für den regionalen Nahverkehr: „Die Hermann‑Hesse‑Bahn ist ein echter Gewinn für die gesamte Region. Sie schafft stündliche Verbindungen, macht den öffentlichen Nahverkehr spürbar attraktiver und setzt ein starkes Zeichen für eine moderne, vernetzte Mobilität. Für viele Menschen wird sie künftig der Schlüssel zu einem komfortablen, schnellen und klimafreundlichen Pendeln oder für entspannte Ausflüge sein. Wir freuen uns sehr, dass dieses zukunftsweisende Projekt nun Realität ist.“

Der reguläre Fahrbetrieb startete am Sonntag, 1. Februar 2026.